Amazon Dayparting 2026: So optimierst du Gebote nach Tageszeit und Wochentag

Deine Amazon-Kampagnen laufen 24 Stunden am Tag — aber deine Kunden kaufen nicht 24 Stunden am Tag. Zwischen 1:00 und 6:00 Uhr morgens zahlen die meisten Seller denselben CPC wie zur Prime Time, obwohl die Conversion-Rate bei einem Bruchteil liegt. Dayparting löst genau dieses Problem: Du passt Gebote stundenweise und nach Wochentag an, um Budget dorthin zu lenken, wo es konvertiert. Dieser Deep-Dive zeigt dir, wie Dayparting funktioniert, welche Daten du brauchst und wie du es 2026 automatisiert umsetzt.
Was ist Dayparting und warum ist es 2026 wichtiger denn je?
Dayparting (auch „Ad Scheduling" oder „Tageszeit-Optimierung") beschreibt die Praxis, Werbegebote oder -budgets abhängig von der Tageszeit und dem Wochentag anzupassen. Das Ziel: Mehr Budget in Stunden mit hoher Conversion-Wahrscheinlichkeit investieren, weniger in Zeiten mit niedrigem ROAS.
Warum ist das 2026 relevanter als je zuvor? Weil die durchschnittlichen CPCs auf Amazon auf 1,18 € gestiegen sind (Quelle: Ad Badger, 2026). Bei diesem Preisniveau summieren sich ineffiziente Klicks nachts und am frühen Morgen auf Hunderte Euro pro Monat — pro Kampagne. Gleichzeitig hat sich das Kaufverhalten der Konsumenten verändert: Mobile Shopping verschiebt Peaks in die Abendstunden, während Desktop-Käufe tagsüber stattfinden.
Die Kombination aus steigenden CPCs und klar identifizierbaren Kaufzeitfenstern macht Dayparting zu einem der effektivsten Hebel, um den ACoS zu senken, ohne Reichweite zu verlieren.
Das Problem: 30 % deines Budgets verpufft nachts

Die meisten Amazon-Kampagnen laufen mit einem festen Tagesbudget und konstanten Geboten — 24/7. Aber die Performance schwankt massiv über den Tag:
- 1:00–6:00 Uhr: Conversion-Raten fallen auf 2–4 % (vs. 10–15 % in Spitzenzeiten). CPCs bleiben aber auf ähnlichem Niveau, weil andere Seller ebenfalls nicht optimieren.
- 6:00–9:00 Uhr: Klickvolumen steigt, aber viele Klicks sind „Browse-Klicks" ohne Kaufabsicht. Die CR liegt bei 5–7 %.
- 18:00–22:00 Uhr: Die goldenen Stunden. Hier liegt die CR bei 12–18 % — doppelt bis dreifach so hoch wie nachts.
Rechenbeispiel: Ein Seller gibt 100 €/Tag für PPC aus. 25 € davon werden zwischen 0:00 und 6:00 Uhr ausgegeben, bei einer CR von 3 %. Derselbe Betrag um 20:00 Uhr investiert hätte bei 15 % CR fünfmal mehr Bestellungen generiert. Auf den Monat gerechnet sind das 750 € verschwendetes Budget — oder 15 zusätzliche Bestellungen, die nicht stattfanden.
Welche Daten du brauchst — und wo du sie findest
Um Dayparting datenbasiert umzusetzen, brauchst du stundenweise Performance-Daten. Amazon stellt diese nicht direkt in der Advertising Console bereit, aber es gibt mehrere Wege:
1. Amazon Advertising API (Reporting v3)
Die API liefert Berichte mit stündlicher Granularität für Sponsored Products, Sponsored Brands und Sponsored Display. Du kannst Impressionen, Klicks, Ausgaben und Bestellungen pro Stunde abrufen. Voraussetzung: API-Zugang über Amazon Advertising Console → API-Registrierung.
2. Amazon Brand Analytics — Suchbegriff-Report
Der Suchbegriff-Report zeigt zwar keine stündlichen Daten, aber du kannst wöchentliche Muster erkennen und diese mit den API-Daten abgleichen.
3. Bestellzeitpunkt aus Seller Central
Der Order Report enthält den exakten Bestellzeitpunkt (Timestamp). Exportiere die letzten 90 Tage und gruppiere Bestellungen nach Stunde. Das zeigt dir, wann deine Kunden tatsächlich kaufen — unabhängig von Werbeklicks.
Tipp: Kombiniere alle drei Datenquellen. Die API zeigt dir, wann du für Klicks zahlst. Der Order Report zeigt, wann Kunden kaufen. Die Differenz zwischen beiden Mustern ist dein Optimierungspotenzial.
Stundenweise Performance analysieren

Sobald du stündliche Daten hast, erstellst du eine Heatmap mit ACoS pro Stunde. Der Prozess:
- Daten exportieren: Lade den stündlichen Performance-Report der letzten 30–60 Tage. Mindestens 30 Tage, damit Wochenendmuster sichtbar werden.
- Aggregieren: Berechne für jede Stunde (0–23) den durchschnittlichen ACoS, CPC, CR und ROAS.
- Klassifizieren: Teile die 24 Stunden in drei Gruppen ein:
- 🟢 Prime-Stunden (ACoS < Ziel-ACoS): Hier erhöhst du Gebote um 10–30 %.
- 🟡 Neutrale Stunden (ACoS ≈ Ziel-ACoS): Gebote bleiben unverändert.
- 🔴 Schwache Stunden (ACoS > 1,5× Ziel-ACoS): Gebote um 30–60 % senken.
- Validieren: Prüfe, ob die Stichprobengröße pro Stunde ausreichend ist. Weniger als 50 Klicks pro Stunde über 30 Tage sind nicht statistisch belastbar.
Wochentag-Strategie: Montag ist nicht Sonntag
Dayparting nur auf Stunden zu beschränken, verschenkt Potenzial. Die Performance variiert auch stark nach Wochentag:
| Wochentag | Ø ACoS | Ø CR | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Montag | 24 % | 12,5 % | Gebote +15 % |
| Dienstag | 23 % | 13,1 % | Gebote +15 % |
| Mittwoch | 26 % | 11,8 % | Standard |
| Donnerstag | 27 % | 11,2 % | Standard |
| Freitag | 29 % | 10,5 % | Gebote −10 % |
| Samstag | 31 % | 9,8 % | Gebote −20 % |
| Sonntag | 28 % | 10,9 % | Gebote −10 % |
Hinweis: Diese Werte sind Branchendurchschnitte für Consumer Electronics auf Amazon DE. Deine Kategorie kann abweichen — deshalb ist die eigene Datenanalyse unverzichtbar.
Die ideale Dayparting-Strategie kombiniert Stunden- und Wochentagsprofile. Ein Montag um 20:00 Uhr ist der profitabelste Slot, ein Samstag um 3:00 Uhr der unprofitabelste. Die Matrix hat 168 Felder (24 Stunden × 7 Tage) — manuell ist das kaum zu steuern.
Dayparting umsetzen: 3 Methoden im Vergleich
Methode 1: Manuelle Budget-Regeln (kostenlos)
Amazon erlaubt seit 2024 Budget-Regeln in der Advertising Console. Du kannst Tagesbudgets zu bestimmten Zeiten erhöhen. Einschränkung: Du kannst Budgets nur erhöhen, nicht reduzieren. Und du kannst keine Gebote, sondern nur Budgets steuern.
Geeignet für: Seller mit 5–10 Kampagnen und einfachen Mustern (z. B. „Nachts weniger, abends mehr").
Methode 2: API-basierte Skripte (technisch)
Mit der Amazon Advertising API kannst du Gebote programmatisch anpassen. Du schreibst ein Skript, das stündlich die Gebote aller Keywords basierend auf einem Zeitplan anpasst. Vorteile: volle Kontrolle. Nachteile: Entwicklungsaufwand, Wartung, keine Lernfähigkeit.
Geeignet für: Agenturen mit eigenem Entwicklerteam und 50+ Kampagnen.
Methode 3: KI-gestütztes Dayparting (empfohlen)
Moderne PPC-Tools wie MarketplAIce automatisieren Dayparting vollständig. Die KI analysiert stündliche Performance-Daten, erkennt Muster und passt Gebote in Echtzeit an — ohne manuelles Regelwerk.
Geeignet für: Seller und Agenturen, die maximale Effizienz bei minimalem Zeitaufwand wollen.
KI-gestütztes Dayparting mit MarketplAIce
MarketplAIce integriert Dayparting als eine von 15 Dimensionen in die prädiktive Gebotsoptimierung. Das bedeutet: Tageszeit und Wochentag werden nicht isoliert betrachtet, sondern zusammen mit Saisonalität, Wettbewerber-Aktivität, Lagerbestand, BSR-Trend und 11 weiteren Faktoren.
So funktioniert es
- Datensammlung: MarketplAIce aggregiert stündliche Performance-Daten über die Advertising API — automatisch, für alle Kampagnen gleichzeitig.
- Mustererkennung: Die KI identifiziert für jedes Produkt individuelle Zeitfenster mit hoher und niedriger Conversion-Wahrscheinlichkeit.
- Prädiktive Anpassung: Statt nur auf vergangene Stundendaten zu reagieren, prognostiziert das System die erwartete Performance der nächsten 5 Tage — inklusive Wochentags- und Feiertagseffekte.
- Automatische Gebotsumsetzung: Gebote werden in Echtzeit angepasst — pro Keyword, pro Stunde, pro Wochentag. Ohne manuellen Eingriff.
Der Unterschied zu statischem Dayparting: Statische Zeitpläne behandeln jeden Montag gleich. Prädiktive KI erkennt, dass ein Montag nach einem Feiertag-Wochenende andere Conversion-Muster hat als ein normaler Montag — und passt die Gebote entsprechend an.
Fallbeispiel: ACoS von 32 % auf 19 % in 4 Wochen

Ein Home & Kitchen Seller auf Amazon DE mit einem monatlichen Ad-Spend von 8.500 € hatte folgendes Problem: Der ACoS lag stabil bei 32 %, obwohl Keywords und Listings bereits optimiert waren.
Die Diagnose
Die stündliche Analyse zeigte: 28 % des Budgets wurde zwischen 0:00 und 7:00 Uhr ausgegeben — bei einer CR von nur 3,2 %. Gleichzeitig war das Budget in den Abendstunden (18:00–22:00) regelmäßig ausgeschöpft, obwohl dort die CR bei 14,5 % lag.
Die Maßnahme
MarketplAIce implementierte ein dynamisches Dayparting-Profil: Gebote wurden nachts um 50 % reduziert und in den Abendstunden um 20 % erhöht. Zusätzlich erkannte die KI, dass Dienstag und Mittwoch die stärksten Wochentage waren, und verschob Budget entsprechend.
Das Ergebnis nach 4 Wochen
5 häufige Dayparting-Fehler — und wie du sie vermeidest
- Kampagnen komplett pausieren statt Gebote senken. Wenn du eine Kampagne pausierst und reaktivierst, verliert Amazon den Lernfortschritt. Besser: Gebote auf das Minimum reduzieren (z. B. 0,10 €), aber die Kampagne aktiv lassen.
- Zu wenig Daten als Grundlage. Mindestens 30 Tage stündliche Daten mit 50+ Klicks pro Stunde sind nötig, um statistisch belastbare Muster zu erkennen. Alles darunter ist Rauschen.
- Alle Produkte gleich behandeln. Ein Premium-Produkt mit hohem Warenkorbwert hat andere Kaufzeitfenster als ein Impuls-Kauf unter 15 €. Erstelle produktspezifische Zeitprofile.
- Saisonale Verschiebungen ignorieren. Im Winter verschieben sich Peaks nach vorne (früher dunkel = früher Online-Shopping). Im Sommer kaufen Kunden abends länger. Aktualisiere dein Dayparting-Profil mindestens quartalsweise.
- Dayparting isoliert betrachten. Tageszeit ist nur ein Faktor. Wenn dein Listing schlecht konvertiert, hilft auch das perfekte Dayparting nicht. Kombiniere Dayparting mit Listing-Optimierung und Keyword Harvesting.
Dayparting automatisiert umsetzen
Manuelles Dayparting funktioniert bei 5 Kampagnen. Bei 50 oder 500 Kampagnen brauchst du Automatisierung. MarketplAIce analysiert stündliche Performance für alle deine Kampagnen gleichzeitig und passt Gebote prädiktiv an — inklusive Wochentags- und Saisonalitätseffekte.
FAQ — Häufige Fragen zu Amazon Dayparting
Was ist Dayparting bei Amazon PPC?
Dayparting ist die stundenweise Anpassung von Geboten oder Budgets basierend auf der Tageszeit. Ziel ist es, Werbebudget in konversionsstarken Stunden zu konzentrieren und in schwachen Zeiten zu reduzieren.
Bietet Amazon natives Dayparting an?
Nein, Amazon bietet kein natives Dayparting in der Advertising Console. Du kannst Budget-Regeln nutzen, um Tagesbudgets zu bestimmten Zeiten zu ändern, aber eine stundenweise Gebotsanpassung erfordert externe Tools oder API-Zugriff.
Zu welchen Uhrzeiten konvertiert Amazon am besten?
Die höchsten Conversion-Raten liegen typischerweise zwischen 18:00 und 22:00 Uhr. Montags und dienstags sind die stärksten Wochentage. Die schwächsten Stunden sind 1:00–6:00 Uhr nachts.
Wie viel ACoS-Reduktion bringt Dayparting?
Bei korrekter Umsetzung kann Dayparting den ACoS um 5–18 % senken. Der Effekt hängt von der Produktkategorie, dem Wettbewerbsumfeld und der bisherigen Kampagnenstruktur ab.
Sollte ich Kampagnen nachts komplett pausieren?
Komplett pausieren ist riskant, weil Amazon die Kampagne nach dem Reaktivieren neu kalibrieren muss. Besser: Gebote um 40–60 % reduzieren statt zu pausieren.
Funktioniert Dayparting auch am Wochenende?
Ja. Samstags und sonntags verschiebt sich das Kaufverhalten: Die Conversion-Peaks liegen später (ab 10:00 statt 8:00) und halten bis spätabends an. Wochenend-spezifische Gebotsprofile können den ROAS zusätzlich steigern.
Über den Autor
Jorginho Engelmeyer
Founder von MarketplAIce und seit über 8 Jahren im Amazon-Advertising-Bereich tätig.
Mehr erfahren →Zuletzt aktualisiert: April 2026