Supply Chain by Amazon: Gebühren & Einsparpotenzial 2026
Supply Chain by Amazon (SCA) 2026: Welche Bausteine AGL, AWD und MCD bündeln, was sie kosten und wie Händler das Einsparpotenzial realistisch kalkulieren.

Die Kurzfassung: Supply Chain by Amazon (SCA) bündelt vier bisher getrennte Amazon-Dienste – Amazon Global Logistics (AGL), Partnered Carrier Program (PCP), Amazon Warehousing and Distribution (AWD) und Multi-Channel Distribution (MCD) – zu einer durchgehenden Lieferkette vom Werk bis zur Haustür. Amazon wirbt mit Pauschalpreisen ohne versteckte Zuschläge, Rabatten von bis zu 25 % auf den grenzüberschreitenden Transport in Richtung AWD und AWD-Lagerkosten, die laut Amazon bis zu 80 % unter den regulären FBA-Lagergebühren liegen sollen. Für Händler heißt das: weniger Schnittstellen zu Spediteuren, Zollagenten und Lagerbetreibern, aber auch mehr Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Ob sich SCA rechnet, hängt vom Sendungsvolumen, der Saisonalität und davon ab, wie genau Sie Ihre heutigen Logistikkosten überhaupt kennen. Dieser Artikel ordnet die Bausteine ein, zeigt den Umstieg in klaren Schritten und macht deutlich, wo Sie vor der Entscheidung nachrechnen müssen – auch mit MarketplAIce als vorausschauendem Werkzeug für die Bestands- und Kostenseite.
Was ist Supply Chain by Amazon?
Supply Chain by Amazon ist Amazons Versuch, Händlern eine Ende-zu-Ende-Lieferkette aus einer Hand anzubieten – von der Werksabholung in Asien bis zur letzten Meile beim Kunden. Bisher mussten Sie für jeden Schritt einzeln entscheiden: eigener Spediteur für die Seefracht, eigener Zollagent, eigenes Zwischenlager, eigener Partnered-Carrier-Vertrag für die Inlandsstrecke zum Fulfillment-Center. SCA fasst diese Bausteine zu einem Produkt zusammen, das Sie modular oder komplett buchen können.
Für Amazon ist das strategisch folgerichtig: Je mehr Logistikschritte über Amazon laufen, desto planbarer wird die Kapazitätsauslastung der eigenen Fulfillment-Center – und desto schwerer wird ein Wechsel zu einem Drittanbieter. Für Sie als Händler bedeutet das in erster Linie weniger operativen Aufwand, aber auch weniger Verhandlungsspielraum bei einzelnen Konditionen. Wer heute mit mehreres Dienstleistern arbeitet und die Prozesse im Griff hat, sollte SCA nicht blind übernehmen, sondern Baustein für Baustein gegen die eigene Kostenstruktur rechnen.
Besonders relevant ist SCA für Händler, die saisonal stark schwankende Volumina nach Deutschland oder in die EU importieren und bislang mit wechselnden Spediteuren und unvorhersehbaren Lagerkosten kämpfen. Wer dagegen bereits feste Verträge mit günstigen Konditionen hat, muss die Amazon-Rabatte sehr genau gegenrechnen, bevor ein Wechsel sich lohnt.
Die vier Bausteine im Überblick
Amazon Global Logistics (AGL) übernimmt die Werksabholung, Seefracht, Zollabwicklung und den lokalen Transport bis zum Amazon-Lager. Die Pauschalpreise sollen laut Amazon Zoll, Entladung, Lagerung und Transport ohne Überraschungskosten abdecken – ein Vorteil gegenüber klassischen Frachtverträgen, bei denen Zusatzgebühren oft erst auf der Rechnung auftauchen.
Das Partnered Carrier Program (PCP) regelt die Inlandsstrecke zu den AWD-Zentren und soll laut Amazon bis zu 25 % günstiger sein als vergleichbare Alternativen auf dem freien Markt. Amazon Warehousing and Distribution (AWD) ist das Kernstück: ein kostengünstiges Massenlager, dessen Lagerkosten laut Amazon bis zu 80 % unter den regulären FBA-Lagergebühren liegen – mit dem Zusatz, dass die sonst übliche Spitzenpreis-Erhöhung im vierten Quartal hier entfällt.
Multi-Channel Distribution (MCD) – derzeit in der Pilotphase – verteilt Bestand aus AWD nicht nur an FBA, sondern an beliebige Vertriebskanäle, also auch an Otto, Kaufland oder den eigenen Onlineshop. Ergänzt wird das Paket durch automatisierte FBA-Nachschub-Algorithmen, die Bestand via maschinellem Lernen auf die optimalen Fulfillment-Center verteilen und laut Amazon im Schnitt mit einem Plus von 15 % beim FBA-Absatz einhergehen, weil Same-Day- und Next-Day-Lieferzeiten erreichbarer werden.
Kostenvergleich: So rechnen Sie nach
Ein belastbarer SCA-Vergleich braucht drei Kostenblöcke nebeneinander: die reinen Transportkosten pro Container oder Palette, die Lagerkosten pro Kubikmeter und Monat sowie die versteckten Kosten für Verwaltungsaufwand, Reklamationen und Verzögerungen. Viele Händler kalkulieren nur den ersten Block und übersehen, dass ein Teil der SCA-Ersparnis gerade aus der Reduktion des dritten Blocks kommt – weniger Schnittstellen bedeuten weniger Fehlerquellen und weniger Personalstunden für Nachverfolgung.
Stellen Sie deshalb nicht nur Preise pro Einheit gegenüber, sondern auch die Zeit, die Ihr Team heute für Spediteurs-Kommunikation, Zollpapiere und Lagerabstimmung aufwendet. Wenn diese Zeit durch SCA sinkt, ist das ein echter, aber oft unterschätzter Teil der Ersparnis. Dokumentieren Sie diesen Aufwand für mindestens vier bis sechs Wochen vor einem Pilotstart, damit Sie nach der Umstellung einen echten Vorher-Nachher-Vergleich haben.
Berücksichtigen Sie außerdem die Saisonalität separat: Ein Vergleich nur im verkaufsschwachen ersten Quartal unterschätzt das Einsparpotenzial beim Wegfall der Q4-Lagerspitzenpreise. Rechnen Sie deshalb idealerweise ein volles Geschäftsjahr durch, bevor Sie SCA auf das gesamte Sortiment ausweiten.
In 5 Schritten zu SCA wechseln
Ein vollständiger Wechsel auf SCA sollte strukturiert ablaufen, nicht als spontane Umstellung mitten in der Saison.
- Ist-Kosten dokumentieren. Stellen Sie Ihre aktuellen Kosten pro Container für Seefracht, Zoll, Inlandstransport und Lagerung zusammen – ohne diese Basis lässt sich kein Vergleich rechnen.
- Pilotvolumen wählen. Starten Sie mit einem einzelnen Produkt oder einer Lieferantenbeziehung, nicht mit dem kompletten Sortiment, um das Pauschalpreis-Modell live zu testen.
- AWD statt reguläres FBA-Lager testen. Verlagern Sie Overflow-Bestand zuerst in AWD, bevor Sie das komplette Inbound-Volumen umstellen.
- Saisonkosten simulieren. Rechnen Sie die Q4-Werte explizit durch, da hier die größte Ersparnis durch den Wegfall der Spitzenpreise entstehen soll.
- MCD-Pilotteilnahme prüfen. Wenn Sie mehrkanalig verkaufen, lohnt sich ein früher Test von Multi-Channel Distribution, sobald die Pilotphase für Ihr Konto geöffnet ist.
Einsparpotenzial realistisch einschätzen
Die von Amazon genannten Werte – bis zu 25 % auf Transportkosten, bis zu 80 % auf Lagerkosten, 15 % mehr FBA-Absatz – sind Herstellerangaben und keine garantierten Ergebnisse für jedes Konto. Sie hängen stark von Ihrem bisherigen Logistik-Setup ab: Wer schon günstige Spediteursverträge und eine schlanke Lieferkette hat, wird die Maximalwerte kaum erreichen. Wer dagegen mit vielen manuellen Schnittstellen, unvorhersehbaren Zollkosten und saisonalen Lagerspitzen kämpft, hat das größere Einsparpotenzial.
Wichtig ist außerdem die Kehrseite: Mehr Abhängigkeit von Amazon bedeutet weniger Verhandlungsmacht bei künftigen Preisanpassungen. Wer SCA nutzt, sollte die eigenen Kosten trotzdem weiter dokumentieren, um bei steigenden Amazon-Gebühren schnell vergleichen zu können, ob ein Teilausstieg wieder günstiger wäre.
Typische Stolperfallen beim Umstieg
Der größte Fehler beim SCA-Umstieg ist, das komplette Importvolumen auf einmal umzustellen, statt mit einem Pilotprodukt zu testen. Amazons Pauschalpreise wirken auf den ersten Blick übersichtlich, verstecken aber Annahmen über Containergröße, Routenverlauf und Zollkategorie, die bei abweichenden Sendungen zu anderen Ergebnissen führen können als im Rechenbeispiel.
Eine zweite Falle ist die Lagerlogik: AWD ist günstig, solange Bestand tatsächlich abverkauft wird. Wer Bestand "auf Vorrat" in AWD parkt, ohne eine belastbare Nachfrageprognose, verschiebt das Problem nur von den FBA-Lagergebühren zu einer anderen Kostenstelle. Die Ersparnis bei den Lagerkosten ersetzt keine Bestandsplanung.
Drittens unterschätzen viele Händler die Umstellungszeit. Verträge mit bestehenden Spediteuren laufen oft über Monate, Zollagenten müssen informiert werden, und interne Prozesse für Wareneingang und Reklamation müssen angepasst werden. Wer den Wechsel kurz vor dem Weihnachtsgeschäft plant, nimmt ein unnötiges operatives Risiko in Kauf – ein Pilotstart im ersten oder zweiten Quartal ist deutlich risikoärmer.
Viertens: Multi-Channel Distribution befindet sich in der Pilotphase. Wer stark auf eine kanalübergreifende Bestandsverteilung über MCD setzt, sollte einen Plan B für den Fall haben, dass die Funktion später eingeschränkt oder anders bepreist wird, als es in der Pilotphase der Fall war.
Wo prädiktive Steuerung ansetzt
Der eigentliche Hebel liegt nicht nur in günstigeren Logistikgebühren, sondern darin, Bestand so zu platzieren, dass Lagerkosten, Auslastung und Nachfrage zusammenpassen – bevor ein Engpass oder eine Lagerspitze entsteht. Genau hier setzt MarketplAIce an: Die Plattform prognostiziert Nachfrage bis zu fünf Tage im Voraus über 15 Dimensionen hinweg und zeigt, wann sich eine Verlagerung von Bestand in AWD oder eine MCD-Verteilung an andere Kanäle lohnt, statt reaktiv auf Lagerwarnungen zu reagieren. Für Händler, die SCA zusätzlich zu Otto, Kaufland oder eBay nutzen, liefert MarketplAIce die kanalübergreifende Sicht, die Amazons eigene Tools naturgemäß nicht bieten, weil sie nur den eigenen Marktplatz abbilden. Wenn Sie SCA testen wollen, hilft eine saubere Ausgangsbasis: bestehende Kosten dokumentieren, Prognosen mit echten Daten unterfüttern und erst dann skalieren. MarketplAIce unterstützt genau diesen Prozess, indem es Bestandsprognosen, Gebührenentwicklung und Kanalperformance an einem Ort zusammenführt. So wird aus einer pauschalen Amazon-Ersparnis eine nachvollziehbare, auf Ihr Sortiment zugeschnittene Kalkulation.
Testen Sie die prädiktive Bestands- und Kostenplanung von MarketplAIce kostenlos: jetzt registrieren. Einen Überblick über die Tarife finden Sie unter marketplaice.io/de/preise.
Verwandte Themen in unserem Blog: Amazon Low-Inventory-Level Fee senken und Amazon Multi-Channel Fulfillment im Vergleich.
FAQ
Was kostet Supply Chain by Amazon zusätzlich zu FBA?
SCA ersetzt Teile Ihrer bisherigen Logistikkosten durch Amazon-Pauschalpreise, ist aber kein zusätzliches Abo. Sie zahlen für die gebuchten Bausteine wie AGL, PCP oder AWD anstelle Ihrer bisherigen Spediteurs- und Lagerkosten. Ein direkter Kostenvergleich mit Ihrem Status quo ist vor der Buchung Pflicht.
Ist SCA nur für FBA-Verkäufer verfügbar?
Nein, Multi-Channel Distribution ist ausdrücklich darauf ausgelegt, Bestand aus AWD auch an andere Vertriebskanäle zu verteilen. Das macht SCA grundsätzlich auch für Multichannel-Händler interessant, die nicht ausschließlich über Amazon verkaufen.
Lohnt sich SCA auch für kleinere Händler?
Das hängt vom Importvolumen ab. Bei kleinen, unregelmäßigen Sendungen ist der administrative Vorteil oft größer als bei großen Händlern, die bereits optimierte Verträge mit eigenen Spediteuren haben und die Mindestvolumina für maximale Rabatte eher erreichen.
Was passiert mit bestehenden Spediteursverträgen bei einem Wechsel?
SCA ersetzt diese Verträge nicht automatisch. Sie entscheiden selbst, welche Bausteine Sie zusätzlich oder anstelle bestehender Vereinbarungen nutzen, und können testweise nur einen Teil des Volumens über SCA abwickeln.
Wie verlässlich sind die von Amazon genannten Einsparwerte?
Es sind Amazon-eigene Angaben aus Pressematerial, keine unabhängig geprüften Durchschnittswerte für jedes Konto. Branchenüblich ist, solche Werte als Obergrenze zu behandeln und die eigene Ersparnis anhand der tatsächlichen Ist-Kosten zu berechnen.
Entfällt durch SCA die Q4-Lagerspitzenpreis-Erhöhung komplett?
Laut Amazon fällt die sonst übliche Spitzenpreiserhöhung im vierten Quartal für über AWD gelagerten Bestand weg. Das betrifft ausdrücklich AWD-Lagerkosten, nicht automatisch alle FBA-Gebühren außerhalb dieses Programms.
Wie hängt SCA mit Bestandsprognosen zusammen?
Automatisierter FBA-Nachschub auf Basis von maschinellem Lernen funktioniert nur so gut wie die zugrunde liegenden Nachfragedaten. Ergänzende, kanalübergreifende Prognosen wie bei MarketplAIce helfen, Fehlbestände und Lagerspitzen zu vermeiden, die Amazons eigene Algorithmen allein nicht abdecken.
Über den Autor
Jorginho Engelmeyer ist Gründer von MarketplAIce und beschäftigt sich seit über acht Jahren mit Amazon Advertising, Logistik und Multichannel-Strategien für Händler und Agenturen. Mehr zu seinem Hintergrund unter /expertise.