Amazon Liquidationsgebühr 2026: Was trotz Gebührensenkung teurer wird
Amazon senkt 2026 Verkaufsgebühren, erhöht aber Liquidations-, Lager- und Rücksendegebühren. So kalkulieren Sie die Nettowirkung für Ihre Marge.

Die Kurzfassung: Amazon senkt ab Februar 2026 in mehreren Kategorien die prozentualen Verkaufsgebühren um bis zu 10 Prozentpunkte und die FBA-Versandgebühren für Artikel bis 20 Euro um durchschnittlich 0,45 Euro pro Einheit. Gleichzeitig steigen die monatliche Lagergebühr, die Rücksendegebühr (Return-to-Sender) und die Liquidationsgebühr für unverkauften Bestand. Wer nur auf die Schlagzeile "Amazon senkt Gebühren" schaut, unterschätzt die Kostenseite. Wer beide Bewegungen gegenrechnet, sieht schnell: Bei Artikeln mit hoher Lagerreichweite oder häufigen Retouren kann die Nettobilanz negativ ausfallen, obwohl die Verkaufsgebühr sinkt.
Für Sie als Amazon-Händler heißt das: Die Gebührensenkung ist kein Freibrief, die Bestandsplanung zu vernachlässigen. Im Gegenteil — sie verschiebt den Kostenschwerpunkt von der Verkaufsgebühr hin zu Lagerhaltungs- und Retourenkosten. Dieser Artikel zeigt, welche Gebühren konkret steigen, wie Sie die Nettowirkung für Ihr Sortiment berechnen und welche Stellschrauben jetzt wichtiger werden als vorher.
Was sich bei den Amazon-Gebühren 2026 konkret ändert
Amazon hat die Änderungen gestaffelt eingeführt: erste Anpassungen ab dem 15. Dezember 2025, weitere ab dem 1. Februar 2026. Bei den Verkaufsgebühren (Referral Fees) sinken die Sätze in ausgewählten Kategorien spürbar: Haushaltswaren fallen für Artikel bis 20 Euro von 15 % auf 8 %, Tiernahrung und Tierkleidung von 15 % auf 5-10 %, Lebensmittel sowie Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel bis 10 Euro von 8 % auf 5 %. Für Versand durch Amazon (FBA) sinken die Gebühren bei Artikeln bis 20 Euro im Schnitt um 0,45 Euro pro Einheit.
Parallel dazu ziehen drei Gebührenarten an: die monatliche Lagergebühr, die Rücksendegebühr für nicht zustellbare oder abgelehnte Retouren und die Liquidationsgebühr, die bei der Entsorgung oder dem Ausverkauf von Altbestand anfällt. Amazon begründet dies mit der Optimierung der Netzwerk-Effizienz — praktisch bedeutet es, dass Lagerbestand, der lange steht oder häufig zurückgeschickt wird, künftig teurer wird als vorher.
Warum die Rechnung nicht so einfach ist, wie sie klingt
Eine niedrigere Verkaufsgebühr wirkt bei jedem Verkauf. Eine höhere Lagergebühr wirkt dagegen bei jedem Tag, den ein Artikel im Lager steht — unabhängig davon, ob er verkauft wird. Für schnelldrehende Artikel mit kurzer Lagerreichweite überwiegt der Vorteil der Gebührensenkung fast immer. Für Artikel mit langer Lagerreichweite, Saisonware oder Sortimenten mit hoher Variantenzahl kann sich das Bild umkehren.
Konkretes Beispiel: Ein Haushaltsartikel für 18 Euro profitiert von der Senkung der Referral Fee auf 8 % – das sind rund 1,26 Euro weniger Gebühr pro Verkauf gegenüber vorher 15 %. Steht derselbe Artikel aber durchschnittlich 90 Tage im Lager statt der kalkulierten 45 Tage, frisst die gestiegene Lagergebühr einen Teil dieses Vorteils wieder auf. Bei Artikeln, die am Ende liquidiert werden müssen, kehrt sich die Rechnung häufig komplett um.
Das ist der Punkt, an dem reaktive Tools an ihre Grenzen stoßen: Sie zeigen die aktuelle Gebührenstruktur, aber nicht, wie sich Nachfrage und Lagerreichweite in den nächsten Tagen entwickeln. MarketplAIce rechnet beide Effekte — Gebührensenkung und Lagerkostenanstieg — pro ASIN gegeneinander und schlägt vor, wo Nachbestellmengen oder Preise angepasst werden sollten, bevor die Marge kippt.
In 5 Schritten die Nettowirkung für Ihr Sortiment berechnen
- Kategorien identifizieren, die von der Gebührensenkung betroffen sind (Heimbedarf, Tierprodukte, Lebensmittel/Supplements) und den alten sowie neuen Referral-Fee-Satz gegenüberstellen.
- Lagerreichweite pro ASIN aus den letzten 90 Tagen ziehen und mit der neuen monatlichen Lagergebühr multiplizieren, um die Mehrkosten pro Einheit zu ermitteln.
- Retourenquote je Artikel prüfen und die neue Rücksendegebühr auf die durchschnittliche Anzahl abgelehnter oder nicht zustellbarer Rücksendungen anwenden.
- Nettoeffekt pro Einheit berechnen: Ersparnis aus Referral Fee minus Mehrkosten aus Lager- und Rücksendegebühr.
- Prioritätenliste erstellen: Artikel mit negativem Nettoeffekt zuerst bei Preis, Bestandsmenge oder Werbebudget anpassen.
Welche Sortimente jetzt besonders betroffen sind
Am stärksten trifft die neue Kostenstruktur Sortimente mit hoher Variantenanzahl (Farben, Größen), da jede Variante ihre eigene Lagerreichweite und damit ihr eigenes Kostenrisiko trägt. Auch Saisonartikel, die außerhalb der Hauptsaison lange liegen bleiben, sind gefährdet — hier trifft die höhere Lagergebühr direkt auf die Zeit, in der ohnehin wenig verkauft wird. Wer viel mit Testartikeln oder kleinen Erstbestellungen arbeitet, um Nachfrage zu prüfen, sollte die Bestandsdauer dieser Testchargen jetzt genauer beobachten, da eine verlängerte Lagerzeit die Gebührensenkung schnell aufzehrt.
Für Händler mit hoher Retourenquote — etwa bei Bekleidung, Schuhen oder Elektronik mit Kompatibilitätsfragen — verschiebt sich der Fokus zusätzlich auf die Produktbeschreibung: Je präziser Größen-, Kompatibilitäts- und Materialangaben sind, desto geringer die Zahl der vermeidbaren Rücksendungen, die künftig teurer abgerechnet werden.
Was Sie jetzt konkret tun sollten
Die wichtigste Reaktion ist keine Panik, sondern eine differenzierte Neubewertung des Sortiments. Artikel mit kurzer Lagerreichweite und niedriger Retourenquote profitieren fast durchgehend von den Änderungen — hier lohnt es sich eher, die frei werdende Marge in zusätzliche Werbung zu investieren. Artikel mit langer Lagerreichweite oder hoher Retourenquote brauchen dagegen eine bewusste Entscheidung: kleinere Nachbestellmengen, häufigere Lieferungen oder eine Preisanpassung, die die höheren Lagerkosten einpreist.
MarketplAIce übernimmt diese Neubewertung automatisiert: Die Plattform verbindet Gebührendaten, Lagerreichweite und Retourenhistorie pro ASIN und schlägt fünf Tage im Voraus vor, wo eine Nachbestellung reduziert oder ein Preis angepasst werden sollte — bevor die neue Gebührenstruktur die Marge unbemerkt auffrisst.
Rechenbeispiel: Zwei ASINs im direkten Vergleich
Um die Nettowirkung greifbar zu machen, lohnt sich ein Vergleich zweier fiktiver, aber typischer ASINs aus der Kategorie Heimbedarf. ASIN A ist ein schnelldrehender Artikel mit durchschnittlich 30 Tagen Lagerreichweite und einer Retourenquote von 3 %. ASIN B ist ein Saisonartikel mit 85 Tagen Lagerreichweite und einer Retourenquote von 9 %, weil die Passform häufiger nicht den Erwartungen entspricht.
Bei ASIN A sinkt die Referral Fee von 15 % auf 8 % bei einem Verkaufspreis von 18 Euro — das entspricht einer Ersparnis von rund 1,26 Euro pro Einheit. Die gestiegene Lagergebühr wirkt bei 30 Tagen Lagerreichweite kaum spürbar, da der Artikel das Lager schnell wieder verlässt. Der Nettoeffekt ist für ASIN A klar positiv: Die Gebührensenkung schlägt praktisch ungeschmälert durch.
Bei ASIN B sieht die Rechnung anders aus. Dieselbe Ersparnis von 1,26 Euro pro Einheit aus der Referral-Fee-Senkung steht einer deutlich höheren Lagergebühren-Belastung gegenüber, weil der Artikel fast dreimal so lange im Lager steht. Rechnet man zusätzlich die höhere Rücksendegebühr für die überdurchschnittliche Retourenquote ein, bleibt von der ursprünglichen Ersparnis oft nichts mehr übrig — in ungünstigen Fällen kehrt sich der Effekt sogar ins Negative. Genau dieser Unterschied zwischen ASIN A und ASIN B zeigt, warum eine pauschale Aussage wie "Amazon senkt die Gebühren" für die Sortimentsplanung wenig aussagekräftig ist. Entscheidend ist die individuelle Kombination aus Lagerreichweite, Retourenquote und Kategorie-Zuordnung.
Wie sich die Änderungen auf die Preisstrategie auswirken
Eine oft übersehene Konsequenz: Wenn sich die Kostenstruktur eines Artikels verändert, verschiebt sich auch der wirtschaftlich sinnvolle Verkaufspreis. Für Artikel wie ASIN A, bei denen die Gebührensenkung netto Vorteile bringt, eröffnet sich Spielraum, entweder die Marge zu erhöhen oder den Preis leicht zu senken, um Wettbewerbsvorteile über die Buy Box zu erzielen. Für Artikel wie ASIN B, bei denen die Nettobilanz negativ ausfällt, führt kein Weg an einer Preiserhöhung, einer Reduzierung der Nachbestellmenge oder einer Verbesserung der Produktbeschreibung zur Retourenvermeidung vorbei.
Wichtig ist dabei, diese Entscheidung nicht isoliert für Amazon zu treffen, wenn derselbe Artikel auch auf anderen Marktplätzen gelistet ist. Eine Preisanpassung auf Amazon ohne Abgleich mit Otto, Kaufland oder eBay kann dazu führen, dass Käufer auf einen günstigeren Kanal ausweichen, ohne dass sich die Gesamtmarge des Unternehmens verbessert. Eine kanalübergreifende Betrachtung ist deshalb keine Nice-to-have-Option, sondern in einer Phase mit gegenläufigen Gebührenbewegungen eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Langfristige Konsequenzen für die Sortimentsstrategie
Über die kurzfristige Preis- und Bestandsanpassung hinaus lohnt sich ein Blick auf die strukturelle Sortimentszusammensetzung. Wenn Lager- und Retourenkosten strukturell wichtiger werden als die reine Verkaufsgebühr, verschiebt sich die Attraktivität ganzer Produktgruppen. Artikel mit naturgemäß kurzer Lagerreichweite — etwa Verbrauchsgüter, die regelmäßig nachgekauft werden — gewinnen relativ an Attraktivität gegenüber Artikeln, die typischerweise auf Vorrat gekauft und dann lange im Lager liegen, bevor sie verkauft werden.
Für Händler, die ihr Sortiment aktiv erweitern, ist das ein Kriterium, das in die Auswahl neuer Produkte einfließen sollte: Wie schnell dreht der Artikel voraussichtlich, und wie hoch ist die zu erwartende Retourenquote in der jeweiligen Kategorie? Diese Fragen waren schon vor der Gebührenänderung relevant, gewinnen jetzt aber an Gewicht, weil die finanzielle Konsequenz einer falschen Einschätzung größer geworden ist.
FAQ
Ab wann gelten die neuen Amazon-Gebühren 2026?
Erste Änderungen griffen zum 15. Dezember 2025, die Hauptanpassungen bei Referral Fees und FBA-Gebühren zum 1. Februar 2026.
Welche Kategorien profitieren am meisten von der Gebührensenkung?
Heimbedarf, Tierprodukte sowie Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel verzeichnen die stärksten Senkungen der Verkaufsgebühr, teils um bis zu 10 Prozentpunkte.
Was ist die Liquidationsgebühr genau?
Die Liquidationsgebühr fällt an, wenn Amazon unverkauften FBA-Bestand auf Antrag des Verkäufers entsorgt oder über das Liquidationsprogramm abverkauft. Sie steigt 2026 gegenüber dem Vorjahr an.
Wie wirkt sich die höhere Rücksendegebühr aus?
Sie betrifft vor allem Retouren, die nicht zugestellt werden können oder vom Käufer abgelehnt werden. Höhere Retourenquoten treiben diese Kosten künftig stärker nach oben als bisher.
Kann ich die Gebührenänderung pro ASIN einsehen?
Ja, über Seller Central und den Gebührenrechner. Für eine automatisierte Nettoberechnung über das gesamte Sortiment hinweg braucht es allerdings eine Software wie MarketplAIce.
Lohnt sich jetzt eine Reduzierung der FBA-Bestände?
Für Artikel mit langer Lagerreichweite und geringer Nachfrage ja — kleinere, häufigere Lieferungen reduzieren die Lagergebühr-Belastung spürbar.
Was, wenn meine Marge trotz Gebührensenkung sinkt?
Dann überwiegt bei diesem Artikel wahrscheinlich der Lager- oder Retourenkosteneffekt. Eine ASIN-genaue Nettoberechnung zeigt, ob Preis, Bestandsmenge oder Produktbeschreibung angepasst werden sollten.
Vertiefend zum Thema Lagerkosten lesen Sie auch unseren Beitrag zu Amazon Lagergebühren senken sowie die Einordnung der Amazon Peak Volume Fee, die zusätzlich zur Lagergebühr in der Hauptsaison anfällt.
Über den Autor
Jorginho Engelmeyer ist Gründer von MarketplAIce und beschäftigt sich seit über 8 Jahren mit Amazon Advertising und Marktplatz-Ökonomie. Mehr zu seiner Expertise unter /expertise.
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